Freitag, 22. April 2016

Tag 2: Porto - Vila Do Condo

Heute ging es um 7:30 Uhr los, weil ich einfach nicht gut schlafen konnte.
Der Himmel war bewölkt, aber mit 15 Grad war es nicht kalt.

Vor dem Hostel war noch das Chaos von der studentischen Sauforgie zu sehen. Um 24:00 fingen die Honks dann an, rumzutrommeln, so dass alle aus dem Bett geflogen sind. Viel Schlaf hatte ich nicht.


Zuerst ging es zur Kathedrale, wo man einen schönen Sonnenaufgang sehen konnte. Aber weit und breit kein Pilger, was mich aber nicht stören sollte.




Am Fluss Duoro angekommen, wollte ich eigentlich die Bimmelbahn für die nächsten 6 km nehmen, aber die kam nicht und ewig warten wollte ich auch nicht. Also los zu Fuß.

Nach ca. 4 km war ich am Atlantik angekommen. Von jetzt an geht es immer an der Küste entlang.
Seltsamerweise ist es nicht möglich, über den Atlantik in den Rio Duoro zu schippern, da liegen diese Wellenbrecher zwischen.






So ging es dann gaaanz lange weiter. Zunächst an der stark bebauten Küste und an der Küstenstraße, später wurde es dann aber immer ländlicher.
Zwischendurch kamen sogar ein paar Regentropfen runter, aber so wenige, dass ich die Regensachen nicht ausgepackt habe.

Nach ca. 12 km verlief der Weg auf Holzstegen und zwar bis zum Ende der Etappe ...  Immer am Meer entlang. Ich konnte auch nicht widerstehen, die Schuhe auszuziehen und direkt am Wasser für einige Kilometer zu laufen. Das war richtig erfrischend, aber das anschließende Entsanden der Füße, damit bloß nichts scheuert und Blasen hervorrufen kann, war ein hantier. Dazu musste ich noch warten, bis die Füße richtig trocken, was ich dann mit der ersten Pause an einer Strandbar kombiniert habe. Bis dahin konnte man auf den Stegen auch prima barfuß laufen.





So ging es dann eigentlich bis zum Ende weiter. Mittlerweile kam auch die Sonne raus und ich ins Schwitzen. Schmerzen hatte ich keine, weder an der Schulter noch an den Füßen, aber untrainiert bin ich schon. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass meine Vorbereitung darin bestand, biertrinkenderweise auf der Couch zu hocken, 5 kg zuzunehmen und die Schulter heilen zu lassen.
Das war dann auch mit mein Verhängnis. Durch das Schwitzen hat die Sonnencreme wohl nicht richtig gewirkt. Darum habe ich jetzt einen dicken Sonnenbrand am Nacken, Gesicht und Unterarmen. Allerdings habe ich auch verpennt, mal nachzucremen ...  Kacke!!!
Morgen werde ich dann mit dem beknackten Hut laufen, denn die Sonne soll vom Himmel knallen. Wie ich meine Unterarme außer mit dick Sonnencreme schütze, weiß ich noch nicht.

Nach 9 Stunden Gehzeit incl. Pausen für die insg. 34 km kam ich endlich in Vila do Conde an. Auf dem ganzen Weg habe ich zwei (!!!) vermutliche Pilger gesehen. In der Herberge teile ich das Zimmer mit zwei älteren Holländerinnen, die schon zwei Tage unterwegs sind.

Dieses mal habe ich auch Musik mit, was das Gehen doch leichter macht. Bei dem 80er Jahre Pop fällt es schwer, den Rhythmus zu halten, das ist einfach zu schnell. Aber Gothiczeugs eignet sich umso besser.

Das Lied des Tages war aber ganz klar Purple Rain. Wieder ist mit Prince ein Star aus meiner Kindheit bzw. Jugend verglüht. Irgendwie ist es sonderbar, wieviele bekannte, große Persönlichkeiten in den letzten Monaten die Erde verlassen haben.
Hier jedenfalls das Lied des Tages, in Anlehnung an Hape Kerkeling, der immer eine Weisheit des Tages übermittelt hat. Aber Weisheit ist nicht so mein Ding...




Trotz der langen Strecke habe ich bis auf den Sonnenbrand - was ätzend genug ist - nichts, keine Blasen, keine Fußschmerzen, keine Schulterschmerzen. Aber meine Beine sind müde.
Darum gehe ich früh schlafen, denn morgen stehen wieder 30 km an.

Hier noch einige Impressionen








Bei dem folgenden Bild hatte ich gerade das Theme von Silas im Ohr. Da fühle ich mich um 30 Jahre jünger...  Silas könnte passend über den Strand reiten, wie im Outro.







In Portugal gibt es viele Oldtimer in einem fast perfekten Zustand, wie dieser Traum 240er Volvo





Donnerstag, 21. April 2016

Tag 1: Porto

Nach einer etwas durchwachsenen Nacht habe ich mal ausgeschlafen. Gott sei Dank waren die Zimmergenossen genauso verpennt und erst um 8:30 rührte sich etwas, also 9:30 deutscher Zeit.

Nach ausgiebigem Kaffeetrinken und Frühstück (Crêpes ohne Ende) habe ich mich mal auf dem Weg Richtung Kathedrale gemacht, damit ich morgen weiß, von wo ich starten muss.



Hier in Portugal gibt es neben den gelben Pfeilen nach Santiago auch blaue Pfeile nach Fatima, was in der anderen Richtung liegt. Wie ich jetzt zum Fluss - dem berühmten Duoro - komme, weiß ich jetzt. Dann einfach der Strömung folgen und dann dafür sorgen, dass bis Vilo Do Condo das Meer links von einem liegt. Das hört sich machbar an.



Porto ist eine Stadt zum verlieben. Lebendig und nicht steril, sondern schön chaotisch und historisch.








Die Kathedrale liegt sehr prägnant auf einem Hügel und man hat einen tollen Blick über den Fluss aber auch über die kleinen Gässchen am Fuße der Kathedrale. Da kann man sich richtig gut vorstellen, wie im Mittelalter der mächtige Klerus alles überragt.

Das war wirklich so und das ist u.a. auch ein Grund, warum die Portweinkeller alle auf der anderen Seite des Flusses liegen. Der Bischof, dem das Land gehörte, wollte viel Kohle haben. Tja, manches ändert sich halt nie.



Über die Brücke ging es dann auf die Gaia Seite, also einmal rüber über den Duoro.
Dort habe ich erstmal Calamares und einen Salat gefuttert. Dann wollte ich mir mal so einen Portweinkeller antun, aber die Preise waren unverschämt und von anderen Besuchern habe ich gehört, dass man da durch gescheucht wird.






Ok, dann nicht. Aber im letzten Laden namens Ferreira war der Preis mit 6€ incl. zwei Gläsern Portwein doch akzeptabel. Zufälligerweise war die folgende Führung dann auch noch in deutsch. Es war sehr interessant.  Sowohl der Keller, als auch die Geschichte und die Techniken. Es hat sich wirklich gelohnt.









Danach war ich noch mit einem Bayer unterwegs Richtung Hostel und habe mit einem Neuseeländer einen Kaffee getrunken. Eine gute Tasse Kaffee kostet hier so um die 70 Cent.
Im Hostel hat sich dann Carrie (??), eine Schweizer Physiotherapeutin, meine Schulter vorgenommen. Als ich ihr sagte, dass meine Schwester da immer Faszien vermutet, die sie sehr schmerzhaft zerstören will, verengten sich auch ihre Pupillen und sie drückte mit aller Gewalt drauf rum.
Ich bin mal gespannt, wie sich der Rucksack bemerkbar machen wird.

Jetzt habe ich noch eine Happy Hour und dann gehe ich pennen. Denn morgen früh geht es endlich los.

Mittwoch, 20. April 2016

Tag 0: Abflug und Porto (Update)

Es geht los. Der Rucksack und das Herrentäschchen ist gepackt


Das gefühlte Gewicht geht, auch wenn meine Schulter etwas anderes sagt.
Mick hat noch bei mir übernachtet und darum heißt es um 6:00 aufstehen. Als perfekter Arbeitnehmer musste ich natürlich gestern Abend Halsschmerzen bekommen und jetzt fühle ich mich auch richtig schlapp, müde und hungrig.

...

Pünktlich um 11:50 war ich am Köln-Bonner Flughafen. Da Kötter Securities wohl in den letzten Wochen versagt hat, wird jetzt alibimäßig streng kontrolliert und darum sollte man pünktlich einchecken.
Das ging auch wirklich sehr flott...  bis ich mit Kötter Bekanntschaft gemacht habe. Der Körperscanner meinte wohl etwas entdeckt zu haben. Auf die saublöde Frage,  was ich in der Hose hätte, konnte ich mir eine dämliche Antwort nicht verkneifen. Der Typ war absolut fehlplatziert und unfreundlich,  dass ich ernsthaft überlege, den anzukacken. Naja, nach dem Spruch durfte ich dann das volle Programm der Kontrolle von Befummeln, Schuhe ausziehen, Tasche auspacken usw durch machen. Als er dann meinte, ich sollte die Hose öffnen, habe ich dann recht deutlich gesagt, dass es nun reicht. Direkt kamen zwei weitere Kollegen, aber nicht, um mich festzunehmen, sondern um diesen Fiesling mal mit einer anderen Aufgabe zu beschäftigen. Damit war auch die Kontrolle zu Ende. In der Zwischenzeit sind wohl ein halbes Dutzend Schläfer so durch die Kontrolle geschlüpft. Bei einem leuchtete der Kontrollbildschirm wie ein Weihnachtsbaum, aber der wurde durchgewunken.

Der Rucksack wiegt 8,9 kg. Geht, wenn man bedenkt, dass ich sogar Waschmittel mithabe. Wenn die Ibusalbe, Waschmittel und all das Zeugs verbraucht ist, dürfte ich um die 7,5 kg liegen.

Egal, jetzt läuft's und ich habe noch 1,5 Stunden zum Biertrinken


...

Der Flug war bequemer als mit dem Bus von Brand nach Knolle zu fahren. Nicht mal ein Turbulenzchen gab es.
Gestartet bin ich bei wolkenlosem Himmel aber schon 5 Minuten später, nachdem das Flugzeug das Rheinland überflogen hatte, war bis Porto eine geschlossene Wolkendecke. Es war sehr interessant, wie klein doch Köln von oben ist und aus dem Flugzeug kann man von Köln bis Aachen schauen. Die Kraftwerke mit den Wolken sind sehr weit sichtbar. Die Dampfwolken reichen sogar in sehr große Höhen, wenn kein Wind weht. Auch die Ausmaße der Tagebauten sind von oben immens, aber das ist wohl auch ein Preis für den Wohlstand.

Ich schweife ab ;)

Wie ging es in Porto weiter? Nach kurzer Zeit hatte ich meinen Rucksack und mit der Wegbeschreibung vom Hostel aus dem Internet habe ich mich mal Richtung Metro aufgemacht. Auf dem Weg wurde mir ein Stadtplan in die Hand gedrückt von einem sehr leckeren Mädel. Das fängt gut an.
Aber dann stand ich wie Ochs mit Rucksack vorm Fahrkartenautomat. Alles in portugiesisch, was ich nicht so flüssig kann. Aber 30 Sekunden blöd gucken hat dann wieder eine hilfsbereite Person auf den Plan gerufen und schwupps...  Da hatte ich für 2,45 meine Fahrkarte. Der Mann half dann noch einer halben Flugzeugladung beim Kartendrucken.

An der Zielstation angekommen war ich mal wieder der Ochs...  In welche Richtung muss ich? Der Stadtplan war nicht detailliert genug. Dann laufe ich einfach mal drauf los, um Orientierungspunkte zu finden. Bergab und Richtung Kirche, die ich sehen konnte, ist schon mal gut. Direkt waren 8 Deutsche hinter mir und nach 5 Minuten fragte dann einer in Englisch, ob ich weiß, wohin ich gehe, denn sie folgen mir einfach mal.
So blöd sind echt nur Deutsche, folgen einem Landsmann, ohne zu wissen, was sein Ziel ist. Als ich sagte, ja... Ich gehe nach Santiago,  mussten die auch lachen. Aber zufällig hatten die fast das gleiche Ziel.
Das Hostel habe ich auch ohne große Extrarunden gefunden und dabei einen Teil der herrlichen Altstadt gesehen.

Das Winehostel liegt schön an einem Park, nicht weit von der Innenstadt und der Kathedrale und...  Von dem Portweinviertel entfernt.



Das Themenhostel ist sehr interessant, sauber und mit 14 Euro die Nacht bezahlbar.
Um die Ecke wurde mir ein Lokal empfohlen, was ich normalerweise nie gewählt hätte, weder das Lokal noch das Essen. Aber die Francesinha hat sich gelohnt. 5 Sorten Fleisch geschichtet mit Käse und Soße, quasi Lasagne aber anstatt Nudeln mit Fleisch ... Lecker.

Jetzt chille ich noch etwas im Aufenthaltsraum und genieße die Happy Hour. Jeder Portwein und auch das Bier kosten nur 1 Euro. Heute fange ich mal mit den dunklen Portweinsorten an, morgen dann den pinken und den weißen...  Ja, solche Farben und Bezeichnungen hat der Portwein hier. Normalen Wein gibt es nicht.










Samstag, 16. April 2016

Es ist angerichtet

Es könnte nun losgehen...
Die Todo-Liste für den Camino ist fast abgearbeitet, aber nur fast. Eine Unwesentliche Sache müsste ich noch machen, aber die lässt sich auch prima auf Mitte Mai verschieben.

Das Wichtigste ist aber da

Auch die Kontaktlinsen sind eingetroffen und die Packliste somit vollständig vorhanden.
Am Dienstag stopfe ich dann alles in den Rucksack und werde wieder angeekelt vor Spiegel stehen, wenn der Hüftgurt unter dem Speckmantel verschwindet. So war es auch letzten Spätsommer und 900 km später stimmte dann auch endlich die Figur.
Dieses mal wird das vermutlich nicht so sein, da die Strecke mit ca. 350 km mehr als halb so kurz ist und jetzt auch keine Bergriesen erklommen werden müssen bei wüstenhaften 40 Grad im nicht vorhandenen Schatten. Stattdessen werden es entspannte Strandspaziergänge mit reichhaltigen Besuchen der Strandbars.
Na, mal sehen. Letzte Woche musste ich diese Distanz auf der A61 zurücklegen und das war auch mit über 200 km/h gefühlt ein langer Weg.

Samstag, 9. April 2016

Packliste und Erreichbarkeit

Langsam wird es ernst. Trotz der Schulterprobleme werde ich die Tour machen.

Auf dem letzten Camino habe ich anfangs zu viel mitgenommen und über die Pyrenäen gewuchtet; das will ich mir jetzt ersparen.
Die folgenden Sachen wurden aber alle benutzt und damit sollte der Rucksack die 8 kg nicht überschreiten ... hoffentlich.
Ein Ladegerät für Tablet, Handy, Kamera und MP3-Player könnte was ehrgeizig sein, aber letztes Jahr war es auch kein Problem, mal ein anderes zusätzlich auszuleihen.

Das Smartphone lasse ich wieder zu Hause. Somit komme ich auch nicht in Versuchung, geschäftliche Mails zu lesen oder während des Weges ständig auf das Handy zu schauen.
Auf dem Camino Frances war es anfangs schon ungewohnt, dass das Smartphone nicht in der Tasche war, aber es war gut.
Über Google-Hangouts werde ich dieses Mal erreichbar sein und den Blog werde ich - wie letztes mal auch - von unterwegs pflegen. In Portugal ist das Internet jedoch nicht so gut, wie in Spanien und daher könnte es passieren, dass ich hier nicht alles taufrisch präsentiere.

Jetzt aber mal zum Gepäck ...


  • 3 Hemden/T-Shirts
  • 2 Trekkinghosen
  • 3 Paar Socken
  • 3 Unterhosen
  • 1 Funktions-Unterhemd
  • 1 Fleece Pulli
  • 1 Stihl Fleece Jacke
  • 1 kleines Microfaser-Handtuch
  • 1 großes Microfaser-Handtuch
  • Regenhose
  • Regenjacke
  • Schlafsack
  • Regenschutz für Rucksack
  • 1 Schlaf-T-Shirt
  • Hut
  • Halstuch
  • Sonnenbrille
  • Wanderschuhe
  • Ersatz-Einlagen
  • Crocs
  • Badehose (nein, ich hüpfe nicht nackt ins Meer)
  • Sonnencreme
  • Nagelschere
  • Nagelknipser
  • 30 Kontaktlinsen für links und rechts
  • Brille
  • Zahncreme
  • Zahnbürste
  • Kamm
  • Deo
  • Einwegrasierer
  • Rasierschaum
  • Duschgel
  • Normale Pflaster
  • Leukosilk
  • Leukoplast
  • 1 Verband
  • Aspirin
  • Ibu
  • Kohletabletten
  • Magnesium
  • Ibu Salbe
  • Feuchtes Klopapier
  • Desinfektionstücher
  • MP3-Player
  • Handy
  • Tablet
  • Wanderführer (Rother)
  • Flugtickets
  • Ausweis
  • Geld
  • Kreditkarte
  • EC-Karte
  • Wanderstöcke
  • Wäscheklammern
  • Seil
  • Waschmittel
  • USB-Ladegerät
  • Kamera
  • Fenistil
  • Cortison-Salbe
  • Hirschtalg-Salbe
  • Stirnlampe

Und das Wichtigste ... ?

Den Pilgerpass!!! Das Ding muss ich ja noch besorgen. Wie gut, dass die Jakobus-Gesellschaft Deutschland hier in Aachen sitzt und man den Ausweis dort abholen kann.

Einige Sachen, wie z.B. die Crocs, werde ich am Ende der Reise wieder gegen örtliche Spezialitäten austauschen müssen.